Ist es wirklich so, dass aller Anfang schwer ist? Ich finde Anfänge sind meistens aufgeladen mit viel Elan und Freude auf das Neue. Erst später lässt der Enthusiasmus nach. Wie oft habe ich mir etwas vorgenommen und mit der Zeit wurde mir klar, dass viel mehr Arbeit dahinter steckt als gedacht. Um bei dieser Sache nicht ganz zu scheitern, bediene ich mich dem Vorwand, dass der Alltag ohnehin schon stressig genug ist. Kunst und Kreativität wird dann beiseite geschoben, bis ich wieder Zeit habe.

Der Verzicht auf den künstlerischen Ausdruck scheint Anfangs unproblematisch zu sein. Aber mit der Zeit wirkt es sich negativ auf meine Stimmung aus. Mit dem Verzicht verleugne ich einen Teil von mir.

So wie ich die Luft zum Atmen brauche, muss auch das Verlangen nach Kunst bzw. Kreativität gestillt werden. Es ist notwendig sich dieses natürliche Bedürfnis einzugestehen und zu erlauben die Kunst zu leben.

Ich denke, auch wenn es nicht immer so klappt wie wir es uns vornehmen, sollte man auf keinen Fall aufgeben, denn ein erneuter Versuch kann sehr viel Spaß machen und inspirieren.
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Möglichkeiten für einen Neustart

Kreativer Frühjahrsputz
Ich mache so eine Art kreativen Frühlingsputz, stelle meine Möbel um oder dekoriere meinen Arbeitsplatz bzw. Atelier mit neuen Gegenständen. Ich finde das ist ein tolles Ritual, um sich von Altlasten jeglicher Art zu befreien und wieder neu durchzustarten.

Shopping für Kreative
Besuche in Fachgeschäften für Künstler machen einfach Spaß. Wenn ich Zeit habe, dann mache ich einen kleinen Ausflug in einen Kunstfachhandel (zB. Boesner). Je nach dem wie viel Budget mir zur Verfügung steht, besorge ich entweder ein paar neue Aquarell-Farben, ein Skizzenbuch oder Kunstbücher. So ein Einkauf, ob groß oder klein, löst Glücksgefühle aus. Dann kann man sich mit neuen Utensilien in die Arbeit stürzen.

Dokumentationen, Ausstellungen & Vorträge
Veranstaltungen oder Dokus über Künstler können eine starke motivierenden Wirkung haben. Ich entscheide mich meistens für Themen und Richtungen, die entweder ganz neu sind oder mich besonders interessieren. Es muss auch nicht unbedingt Kunst sein. Wenn ich einen gemütlichen Tag Zuhause verbringen will, dann schaue ich mir gerne Dokumentationen über berühmte Menschen an oder einen mitreissenden TED-Vortrag. Wenn ich jedoch Lust habe raus zu gehen, dann suche ich mir lokale Ausstellungen oder Vorträge raus und mobilisiere jemanden im Freundeskreis mit mir mitzugehen. Ein kleiner Tipp, bei Ausstellungen versuche ich mich ein bisschen über den Künstler schlau zu machen, damit ich die Arbeiten besser verstehen kann.

Kreative Aufträge
Hier geht es schon mehr darum wirklich etwas zu tun. Die vorigen Punkte sind eher Vorbereitungen, die uns in eine Stimmung versetzen. Um die kreative Routine ernsthaft wieder in meinen Alltag zu integrieren, stelle ich mir mindestens eine Aufgabe und setze mir bestenfalls ein Ziel. Ein Beispiel wäre, ich nehme mir vor, einen Monat lang jeden Tag Porträts zu zeichnen.

Blockaden lockern
Es ist wichtig sich Ziele zu setzen, aber wenn ich mich schwer überwinden kann, dann bringen auch sie nichts. Deswegen fange ich gerne mit Auflockerungsübungen an. Hier gilt, Fehler sind erwünscht. Es geht darum sich seelisch von Zwängen zu befreien, sich körperlich zu lockern und loszulegen. Am Beispiel Zeichnung, nutze ich gerne die Methode des Blinden Konturen Zeichnens. Das bedeutet man darf nur das Motiv betrachten und die Hand mit dem Stift gleitet blind übers Papier. Das Endergebnis ist nicht wichtig, aber oft überraschend. Diese Übung kann man nach Lust und Laune wiederholen. Hier eine kurze Video-Demonstration, die ich ganz gut finde. Für Autoren gibt es zum Beispiel das Écriture automatique (automatisches Schreiben). Hier lautet die Devise Loslassen und Spaß haben.

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Solltet ihr das Gefühl haben, dass eure Kunst nicht wichtig genug ist, dann denkt wieder an das Bedürfnis zu atmen. Wenn ich nicht zeichne, fotografiere oder mich mit anderweitigen künstlerischen Themen beschäftige, dann habe ich keine Chance wirklich glücklich zu sein.
Im Hinblick auf die Bedeutung vom Glück denke ich gerade an ein Buch der Autorin Bronnie Ware, einer Pflegerin die sterbende Menschen bis zum Tod begleitete. Sie schrieb über „Die fünf Dinge, die Sterbende am meisten bedauern“.
Zwei der fünf Dinge haben mich besonders bewegt:

Platz 1 Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt mein eigenes Leben zu leben.

Platz 5 Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein.

Am Ende des Tages sollten wir uns sicher sein, dass wir alles für unser Glück tun. Also gebt euch die Erlaubnis kreativ zu sein und genießt es.

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